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Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 17

Neuanfang

Reise zurück in das Jahr 2016 mit dem Titel-Song von Clueso

Manchmal muss man selbst gehen, manchmal wird man gegangen. Wie auch immer, einem Neuanfang stehen oft lähmende Glaubenssätze, ungelebte Träume oder Selbstzweifel im Weg. Ein beruflicher Neustart ist ein Schritt ins Ungewisse wie von Nicola aus Hannover.

Sie ist Volljuristin, also ein weißer Elefant in der Event-Branche. Eine hoch qualifizierte Spezialistin für Travel- und Event-Management, langjährig beschäftigt bei einem US-Unternehmen. Und dann – Knall auf Fall gekündigt aus betriebsbedingten Gründen.

Nicola folgte zunächst dem klassischen Muster – Job-Suche in der gleichen Branche, gleiche Tätigkeit, gleicher Ort. Nach Wochen der Erfolglosigkeit gab sie eine Präferenz nach der anderen auf. Ihre seelische Verfassung wurde immer schlechter, ihre körperliche auch, Rückenschmerzen und hoher Blutdruck wurden zu ständigen Begleitern. Monate zogen ins Land bis Nicola zufällig einen Job-Coach kennenlernte.

„Viele Menschen denken in der Mitte ihrer beruflichen Karriere über einen Berufswechsel nach, Du bist halt dazu gezwungen worden. Ich halte es mit Winston Churchill: Erfolg ist nicht endgültig. Scheitern nicht existenziell. Was zählt ist die Courage, aufzustehen und weiter zu machen! Wende es ins Positive: Wofür würdest Du nachts voller Begeisterung aufstehen?“ Das brachte Nicola ins Grübeln.

Sie schaffte es nach und nach, sich nicht als gescheitert zu betrachten. Beim Nachmittagskaffee bei ihren Eltern kam man auf ihre frühesten Berufswünsche zu sprechen. „Pferde waren doch früher Deine große Leidenschaft. Du bist doch geritten wie der Teufel. In der Nähe ist ein Reitstall, schau doch dort mal vorbei!“ Ein Jahr später arbeitete Nicola dort als Reitlehrerin und fühlte sich wie neugeboren.

Keep on rockin‘

Abb: DALL E3

 

 

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 16

Die Hölle hat täglich geöffnet

Reise zurück in die 80er Jahre mit dem Titel-Song von AC/DC  laßt Gitarren sprechen

„Der Himmel ist für diejenigen, die daran glauben. Die Hölle ist für alle da.“ Als Martin diesen Toilettenspruch in der Kultkneipe „Zum Silbersack“ auf St. Pauli las, verspürte er einen Brechreiz.

Rückblende: Martin hatte sich einige Monate zuvor voller Enthusiasmus bei der Hamburger Filiale eines amerikanischen Full-Service-Anbieters von Veranstaltungstechnik beworben. Man wurde sich per Handschlag einig und ein paar Tage später war sein erster Arbeitstag als Werkstattleiter bei seinem Traumarbeitgeber. Es fühlte sich himmlisch an.

Allerdings begegneten ihm die Werkstattmitarbeiter mit einer gewissen Reserviertheit. Der Einladung zum Einstand mit belegten Brötchen und alkoholfreien Getränken folgten längst nicht alle Kollegen. Auch bei anderen Gelegenheiten schienen sie ihn zu meiden. Wenn Martin sich in der Kantine an den Tisch zu anderen setzte, standen sie nach kurzer Zeit auf, unter dem Vorwand, daß sie zurück an die Arbeit müßten.

Martin wandte sich an den Personaldirektor und berichtete von seinen Erlebnissen. „Das kann ich Dir auch nicht erklären.“ Lautete die unbefriedigende Antwort. Bei den wöchentlichen Abteilungstreffen waren die Kollegen kurz angebunden. Dann stellte Martin mit Entsetzen fest, daß man ihn absichtlich falsch informiert hatte. Das führte zu einer Panne bei der Materialbereitstellung für ein Festival. Zwei Dutzend Clay Pakys waren noch gar nicht gewartet worden und fielen aus. Ersatz war nicht mehr aufzutreiben gewesen.

Der Niederlassungsleiter schäumte, Martins Erklärungen ignorierte er und drückte ihm eine Abmahnung in die Hand. Später am Tag schlich er völlig geknickt nach Hause. Er fühlte sich unfair behandelt, getäuscht und – er gestand sich das nur zögernd ein – gemobbt. Ein Wort, das ihn in Angst und Schrecken versetzte. Wen hatte er zum Feind? Wieso machten alle mit? Wie konnte er sich wehren? Die halbe Nacht grübelte er über diese Fragen.

Am nächsten Morgen erwachte Martin mit Beklemmungen in der Brust, die nur langsam verschwanden. Als er im Betrieb eintraf, erwartete ihn die nächste unliebsame Überraschung. Beide Funkgeräte-Techniker waren im Urlaub, obwohl das streng untersagt war. Martin prüfte die Urlaubsanträge und stellte fest, daß einer manipuliert war. Die nächste große Produktion stand vor der Tür und er mußte nun einen Motorola-Händler beauftragen. Der verlangte einen „Express-Zuschlag“.

Drei Tage später hatte Martin wieder eine Einladung vom Niederlassungsleiter. „Wieso beauftragen Sie eine externe Wartung, wenn wir Funkgeräte selbst reparieren können?“ Martin stotterte etwas von gefälschten Urlaubsanträgen. „Erzählen Sie nicht so einen Blödsinn, für die Kollegen lege ich meine Hand ins Feuer!“ Am Nachmittag lag die zweite Abmahnung auf seinem Schreibtisch. Als Martin sie las fuhr ihm eine Faust in die Magengrube.

Ein paar Wochen gingen ins Land ohne weitere Vorfälle. Die Angststörung aber wurde zum treuen Begleiter. Das letzte Gefühl vor dem Einschlafen, das erste beim Aufwachen. Martin ließ sich krankschreiben.

Als Martin von der Toilette des Silbersack zurückkehrte, entdeckte er Franky, einen farbigen Kollegen aus der Werkstatt. Er hatte sich Martin gegenüber immer freundlich gezeigt. Er setzte sich zu ihm und nach ein paar Bier faßte sich Martin ein Herz und fragte: „Franky, kannst Du mir erklären, was da gegen mich läuft?“ Franky zögerte „Du hast es nicht von mir, versprochen?“ „Ja, klar!“

„Georg hat sich Hoffnung auf die Werkstattleitung gemacht. Er fühlt sich betrogen, weil der Personalleiter ihm vor einiger Zeit eine Zusage gegeben hat. Überhaupt, die Werkstatt-Mitarbeiter sind gegen jemanden von außen. Der Niederlassungsleiter ist mit Georg befreundet.“

So einfach ist das manchmal und fertig ist das Komplott. Martin kündigte noch in der Probezeit, die Angststörung verschwand von jetzt auf gleich.

Keep on rockin‘

Abb. DALL E3

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 15

Sven sitzt in Berlin-Kreuzberg mit schwitzigen Händen im Konferenzraum eines Bühnen- und Setbauers und wartet auf seine Gesprächspartner. Er hatte sich als Bühnenbauer beworben. Nach der Pandemie brauchte er dringend einen neuen Job.

Während Sven sich noch akklimatisiert betreten zwei Männer breitbeinig wie Cowboys den abgedunkelten Raum. „Damaschke, ick bin der Chef hier“ begleitet von einem kräftigen Händedruck, norden Sven direkt ein. Die zweite Person stellt sich mit einem Lächeln vor: „Hallo, herzlich willkommen, ich bin Julian, der Teamleiter“.

Damaschke schoß eine Frage nach der anderen ab. Er interessierte sich für jede Kleinigkeit im Lebenslauf, auch für Stärken und Schwächen von Sven. Anscheinend hatte er dann genug erfahren, denn seine Gesichtszüge entspannten sich und er endete mit: „Ich bin der beste Freund meiner Mitarbeiter, wenn sie meine Regeln einhalten. Die haben sich in dem harten Business bewährt. Wann können Sie anfangen?“

Sven war wegen der einseitigen Gesprächsführung noch etwas perplex, aber er war happy. „Nächste Woche.“ lautete seine knappe Antwort. Damaschke verabschiedete sich „die Details klären Sie mit Julian.“ Der wiederum machte eine entschuldigende Geste. „Stören Sie sich nicht an seiner Art. Er ist ganz ok. Wollen wir einen Betriebsrundgang machen? Dabei besprechen wir alles.“

Als Sven wieder zuhause war, war er froh und irritiert zugleich. Irgendwie fühlte er sich abgefertigt, kein Interesse an seiner Person, nur an seiner Arbeitskraft. Und Julian machte nicht den Eindruck als hätte er in dem Laden viel zu melden. Sven war hin und her gerissen. Sollte er den Job annehmen oder nicht?

Am nächsten Morgen setzte er sich an den Rechner und recherchierte und fand einen Artikel über die Merkmale eines guten Bewerbungsgesprächs. Z.B. daß Bewerber die Möglichkeit haben, alle Themen anzusprechen und Fragen zu stellen, die für sie wichtig sind. Mit einem echten Interesse an der Person. Sven wurde bewußt, daß dies nicht der Fall gewesen war. Er faßte sich ein Herz und sagte ab.

Was lernen wir daraus? Alarmstufe Rot im Bewerbungsgespräch, wenn es deutliche Anzeichen für eine schlechte Führungskultur im Unternehmen gibt. Hier rockt der good boss – Bruce Springsteen

Keep on rockin‘

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 14

Poker Face

Reise zurück in das Jahr 2013 mit dem Titel-Song von Lady Gaga

„Jeder wird bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit befördert!“ Diese sarkastische Beschreibung über die Zustände in hierarchisch gegliederten Organisationen (Unternehmen, Institutionen, Vereine, Behörden) geistert als das Peter-Prinzip durch die Management-Literatur. Einfaches Beispiel: ein guter Lehrer ist nicht automatisch ein guter Schulleiter.

Leipzig ist eine pulsierende Metropole im Osten Deutschlands, ein bedeutender Messestandort, dessen Tradition bis auf das Jahr 1190 zurückgeht. Dazu gehört eine vielfältige Hotellandschaft mit Spitzenhotels. Helmut, der auch als Dressman eine gute Figur gemacht hätte, wohnt als Hoteldirektor mit seinem Chihuahua in der obersten Etage. Er ist jüngst von einem Novotel zu diesem 5-Sterne-Hotel gewechselt, einem klassizistischen Prachtbau mit 120 Zimmern.

Mit seinem Charme gewann er schnell die Herzen der Mitarbeiter. Alles verlief in ruhigen Bahnen, die Zahlen stimmten. Dann wurde der Posten der Hausdame vakant. Eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, die nicht nur Erfahrung, Kompetenz und Stil, sondern auch Fingerspitzgefühl erfordert. Und ein gutes Händchen bei der Anleitung des Reinigungspersonals. In einem Wort – es braucht eine echte Lady für das erste Haus am Platze.

Zwei Kandidatinnen gehen ins Rennen: Alicia, die bisherige Stellvertreterin, seit 10 Jahren im Haus, Mitte dreißig, attraktiv, eine Spur zu kokett, sehr beliebt bei den Kollegen. Auf die Stellenanzeige hatte sich auch Gabriele, die Leiterin Housekeeping des ortsansässigen MotelOne beworben. Erstklassige Zeugnisse, Führungserfahrung, gepflegte Erscheinung.

Helmut und die Personalleiterin Gaby führen die Bewerbungsgespräche. Sie tauschen ihre Eindrücke aus. Helmut: „Eine schwere Entscheidung, Alicia kennt hier alles und alle, unsere Philosophie und sie kommt mit allen gut aus. Gabriele ist sehr qualifiziert, etwas teurer, sie war mir zu verschlossen, ein echtes Poker Face.“ Gaby: „Ich finde auch, wir sollten Alicia eine Chance geben.“ Was sie verschweigt, daß sie mit Alicia befreundet ist.
Helmut ertappt sich dabei, daß er gern bei Alicia „landen“ würde. Die Beförderung wäre vielleicht nützlich. Das hatte auch sein Vorgänger gehofft, allerdings vergeblich.

Alicia übernahm die Leitung des Housekeeping und entwickelte sich zum Biest. Die Beförderung war ihr zu Kopf gestiegen, sie kommandierte herum, wußte alles besser, reagierte mit Wutanfällen, wenn man ihr widersprach. Helmut traf zufällig eine Mitarbeiterin des Housekeeping weinend im Treppenhaus. Nach einigem Zögern schüttete sie ihr Herz aus.

Helmut versprach ihr, sich darum zu kümmern. Zur Rede gestellt, stritt Alicia alles ab und beschuldigte ihrerseits die Mitarbeiterin der Lüge.
Nach einiger Zeit der Ruhe meldete sich der Personalrat bei Helmut, es gäbe zahlreiche Beschwerden wegen Alicia und mittlerweile auch Kündigungen. Dies führe zu starken Problemen, weil der Arbeitsmarkt leer gefegt und das Haus ausgebucht sei.

Helmut und Gaby führten ein Feedback-Gespräch mit Alicia – ohne Erfolg. Sie mache nur ihren Job, die anderen wären neidisch, inkompetent und würden sie mobben. Gaby war danach entsetzt, „ich glaube, Alicia ist ein Narziss, so kannte ich sie früher nicht. Ist sie vielleicht mit der Verantwortung völlig überfordert?“ Helmut wirkte ratlos, „ich glaube, wir haben einen Fehler gemacht.“

Was lernen wir daraus? Mehr Sorgfalt bei der Beförderung und Auswahl von Führungspersonal. Schriftliche Kriterien festlegen, damit subjektive Gründe wie in diesem Fall keine Chance haben.

Keep on rockin‘

Bild: DALL E3

 

 

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 13

Boulevard of Broken Dreams

Reise zurück in das Jahr 2004 mit dem Titel-Song von Green Day

Dafür würde Udo mitten in der Nacht aufstehen – eine Regiebesprechung mit der Agentur und den Köpfen der Gewerke. Anschließend eine Durchlaufprobe, Feedback und dann die Generalprobe. Deutschland-Premiere, ganz großes Tennis, er mitten drin. Bisher leider nur ein Traum.

Udo arbeitet bei Mazda Deutschland in der Verkaufsförderung und ist verantwortlich für die Händlerveranstaltungen. Live-Kommunikation fasziniert ihn, diese einzigartige Symbiose von Inszenierung, Dramaturgie und profaner Logistik. Letzteres war sein Ding, schließlich hatte er eine Weiterbildung als Scrum Master absolviert. Bisher hatte er nur kleinere Händler-Events organisiert, aber jetzt stand mit dem MX-5 ein wichtiger Re-Launch an mit Probefahrten und der Abendveranstaltung in einem Roncalli-Zelt.

Der Marketing-Leiter beauftragte Udo mit einer Agentur-Ausschreibung. Den Pitch gewann eine seinerzeit renommierte Agentur aus Solingen. Es wurde ein Riesenerfolg und Udo hatte Blut geleckt. Ein paar Monate später startete er dort als Senior-Projektleiter Automotive. Doch seine Euphorie erhielt schnell einen Dämpfer. Der erste Tag: Niemand nahm so richtig Notiz von ihm, Einzelbüros, alle standen unter Strom.

Dabei hatte es im Bewerbungsgespräch mit der Geschäftsführung noch ganz anders geklungen – von einer Win-Win-Situation war die Rede gewesen. Udo kann sich auf Automotive Events spezialisieren, die Agentur gewinnt einen Insider von der Kundenseite. Die Realität sah anders aus: zunächst herrschte eine Flaute bei Automobilaufträgen, die Projektleitung ging an andere, Udo war nur als Teilprojektleiter im Team. Auf Nachfrage bei der GF, wann er mehr Verantwortung erhalten würde, wurde er vertröstet – man sei in der Umstrukturierung. Es fehlte ihm damit ein richtiger Ansprechpartner.

So ging das erste Jahr ins Land. Irgendwie war er in der Truppe auch nicht angekommen, das merkte er beim Sommerfest, seine spröde Art stand ihm auch etwas im Weg. Dann wurde eine Struktur mit Bereichsleitern installiert, Udo hatte jetzt einen Häuptling, mit dem er früher schon nicht warm geworden war. Für ihn war damit der Weg zu Ende, sein Traum geplatzt.

Was lernen wir daraus? Nicht jeder ist für die Arbeit in einer Agentur geschaffen. Beim Seitenwechsel ist daher auch die Mentalitätsfrage zu prüfen, egal in welche Richtung man wechselt. Bei Zusagen im Bewerbungsgespräch muß die Person mitgedacht werden, die sie einhalten soll. Am besten ist sie beim Zweitgespräch dabei.

Keep on rockin‘

Bild: DALL E3

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 12

Schlaflos in Düsseltal

Reise zurück in die 90er mit dem Titel-Song von Faithless die heimliche Hymne der Event-Branche

(Nach einer wahren Begebenheit) Half past three in the morning in Düsseldorf-Düsseltal: Moritz findet keinen Schlaf. Er grübelt in einer Endlosschleife über seinen Einstieg ins Berufsleben, der nicht gelingen will.

Moritz ist eigentlich erfolgsverwöhnt: 1er-Abitur, Stipendien, Bachelor an der Uni Düsseldorf, Master an einer englischen Top-Uni, beides mit sehr gut abgeschlossen. Doch seit er an der Tür zur Berufswelt anklopfte erlebt er eine Enttäuschung nach der anderen. Jede Absage oder Nichteinladung fühlte sich wie eine Niederlage an. Zur Überbrückung bis zum ersten Job arbeitete er schon eine Weile bei einer bekannten Düsseldorfer
Altstadt-Bäckerei als Aushilfe.

Bei einigen Bewerbungen machte er teils absurde, frustrierende Erfahrungen, heute irgendwie undenkbar. Damals raubte es ihm den Schlaf. Im Sommer 2018 dann endlich der Einstieg als Junior-Projektleiter bei einer Top-3-Eventagentur mit Niederlassung an der Düsseldorfer Königsallee.

Nach einem guten Start, einer internen Auszeichnung als bester Nachwuchs-Präsentator flachte die Lernkurve langsam ab. Große Veränderungen im Team, eine vormals sehr stimmige Konstellation, brachten Moritz aus dem Gleichgewicht. Eine versprochene Gehaltserhöhung wurde während des ersten Lockdowns von der Geschäftsführung kassiert. Dann riß der Gesprächsfaden und es gab kein Gegenangebot, als eine Event-Agentur aus der Stadt mit der „großen Kirche“ (vulgo Köln) mit einem nicht nur finanziell sehr verlockenden Angebot um die Ecke kam. Man ließ Moritz ziehen, obwohl er sich ein gutes Standing erarbeitet hatte.
Doch zu früh gefreut. Die Stelle stellte sich ganz anders dar als ursprünglich kommuniziert. Das Team gab es quasi nicht mehr. Die Bereichsleiterin wurde in die Geschäftsführung befördert, der Team-Leiter war in Elternzeit (mit beiden hatte das Bewerbungsgespräch stattgefunden) und die Juniorin hatte kurz vorher innerhalb der Probezeit gekündigt. Für keinen gab es zum Zeitpunkt seines Eintritts einen Ersatz. Entsprechend musste er das Tagesgeschäft komplett alleine stemmen, ohne jegliche Einarbeitung. Nach zwei Monaten kam eine neue Team-Leiterin von intern, die ihren schlechten Ruf schnell bestätigte. Die Zusammenarbeit war kompliziert, sie übte ständig Druck aus (auch mit Nonsens-Aufgaben). Moritz sollte aufwändige Konzepte im Alleingang schreiben, obwohl er immer deutlich gemacht hatte, daß er darin keine Erfahrung hatte.

Half past three in the morning – Moritz findet wieder keinen Schlaf. Irgendwie saß er in der Falle. Er wollte nur weg, aber wie auf die Schnelle einen neuen Job finden? Die zwei kurzen Stationen würden sich auch im Lebenslauf nicht gut machen. Zweifel hielten ihn die halbe Nacht wach: „Man kann doch nicht einfach weglaufen, wenn’s schwierig wird…“

Schließlich streckte er doch seine Fühler in Richtung der alten Agentur aus und fragte informell, ob es Möglichkeiten für eine Rückkehr gäbe. Kurz – der „verlorene Sohn“ wurde wieder eingestellt, mit höherem Gehalt und dem Versprechen einer Beförderung. Glück gehabt.

Was lernen wir daraus? Manchmal hat man bei einem Wechsel einfach Pech. Ein Abgang vom alten Arbeitgeber mit Stil schadet nie.

Keep on rockin‘

Bild: DALL E3

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 11

Steh auf, wenn Du am Boden bist

Reise zurück in das Jahr 2002 mit dem Titel-Song von Die Toten Hosen

„Sie haben den Krebs besiegt!“ Michael wäre seinem Arzt am liebsten um den Hals gefallen. Seine Erleichterung war mit Händen zu greifen. Die Tortur war vorbei, 16 Monate voll Disziplin, Willenskraft und emotionaler Achterbahn fanden ein glückliches Ende.

Michael war Mitte 50 und arbeitete bis zu seiner Kündigung 27 Jahre als Programmierer in einem Kölner Software-Unternehmen. Ja, man hatte ihn obendrein zu seiner Krebserkrankung während des ersten Lockdowns auch noch gekündigt. Es hatte ihm die Luft geraubt, den Boden unter den Füßen weggezogen. Mal empfand er unbeschreibliche Wut, dann wieder Ohnmacht. Wenigstens hatte sein Anwalt eine großzügige Abfindung erstritten.

Nach seiner Gesundung konnte er sich endlich um einen neuen Job kümmern. Doch mit Mitte 50 einen neuen Job finden? Er war inzwischen weit über ein Jahr raus aus dem Arbeitsleben. Er fremdelte mit dem Gedanken, in seine alte Tätigkeit zurückzukehren. Er fühlte sich arbeitsunfähig, die Aussicht auf Stress machte ihm Angst. Die Aussicht auf Arbeitslosigkeit aber auch, Panik stieg in ihm auf. „It’s better to burn out than to fade away.“ ging Michael durch den Kopf. Ein Spruch aus seiner Punker-Zeit.

Das erinnerte ihn an einen Kumpel aus dieser Zeit. Machte der nicht in IT? Er fand Marcel bei LinkedIn, ein paar Tage später verabredeten sie sich in Wuppertal, dem Sitz seines Unternehmens. „Was machst Du denn so?“ fragte Michael. „Wir managen Gäste- und Crew-Prozesse für Veranstaltungen.“  erwiderte Marcel. Dann sprachen sie über alte Zeiten und die Situation von Michael.

„Wie kann ich Dir helfen?“ „Ich brauche Arbeit!“ Marcel dachte einen Moment nach. „Also, es gibt ein Förderprogramm für 50+ von der Arbeitsagentur. Vielleicht machst Du Dich mit dieser finanziellen Unterstützung selbständig, dann kannst Du Deine Arbeitsbelastung selber steuern. Außerdem, wir könnten viel mehr Programmierer-Stunden verkaufen, wenn wir jemanden projekt-bezogen hätten.“

Michael informierte sich, dachte nach, horchte in sich hinein, sprach mit seiner Frau, sprach mit einem Steuerberater und faßte einen Entschluß: Neuanfang! Als selbständiger Programmierer!

Was lernen wir daraus? Laß Dich von der Arbeitsagentur beraten, aktiviere Dein Netzwerk, Weiterbildung öffnet neue Optionen, denke in neuen Bahnen.

Keep on rockin‘
Bild: DALL E3

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 10

Pinball Wizard

Reise zurück in die 60er mit dem Titel-Song von The Who aus der ersten Rock-Oper der Musikgeschichte

Tom ist ein ganz normaler Jugendlicher von 17 Jahren, dem man sein Handicap nicht ansieht – er hat eine Lese-/Rechtschreibstörung. Bei schriftlichen Prüfungen verkrampft er so sehr, daß er keinen Schulabschluß geschafft hat. Trotzdem wünscht er sich sehnlichst, ins Berufsleben zu starten und auf eigenen Beinen zu stehen.

Seine ganze Hoffnung ruht auf seinem handwerklichen Geschick. Ob Lego Technic, Super-Puzzles oder der Bau von Möbeln, er beweist ein erstaunliches räumliches Vorstellungsvermögen. Seine Mutter spricht gern von seiner besonderen Intuition, ganz wie der Pinball Wizard aus der Rock-Oper „Tommy“.

Tom bewirbt sich bei Schreinereien, Tischlereien, bei Messebau-Firmen. Es hagelt nur Absagen, Tommy verzweifelt immer mehr, weil ihm niemand eine Chance geben will. In dieser Situation gehen seine Eltern mit ihm zur Handwerkskammer Freiburg, weil sie von einem Förderprogramm gehört haben. Es gelingt Hartmut, dem Ausbildungsbotschafter, einen ausbildungswilligen Messebaubetrieb für Tom zu finden.

Messebau Schöpflin aus Endingen am Kaiserstuhl bzw. sein Inhaber Jörg, kennt Legasthenie aus dem Bekanntenkreis und will es mit Tom versuchen. Er besteht alle praktischen Prüfungen und versemmelt regelmäßig alle schriftlichen Tests, fällt durch die Zwischenprüfung und die Wiederholung. Sein Ausbilder ist allerdings voll des Lobes über das handwerkliche Können von Tom.

Nachdem nun schmerzlich klar ist, daß Tom keinen Berufsabschluß erreichen wird, findet eine Besprechung mit Tom, seinen Eltern, dem Werkstattleiter und Chef Jörg statt. Es geht um Tom’s Zukunft, welche Optionen gibt es? Tom möchte bleiben, egal zu welchen Bedingungen. Sein Meister möchte ihn behalten „Tom ist für mich unverzichtbar, alle mögen ihn.“ Jörg denkt einen Moment nach. „Also gut, wir stellen Dich ein, Tom, und zwar zum regulären Gesellengehalt.“ Tom bekommt Gänsehaut…..

Was lernen wir daraus? Dieses Beispiel soll deutlich machen, daß die Papierform nicht alles ist. Z.B. ist Berufserfahrung relevanter als der in der Ausschreibung gewünschte akademischen Abschluß. Die Aussagekraft von Abiturnoten sinkt seit Jahren. Private Hochschulen betrachten ihre Studenten als Kunden (…bei uns fällt niemand durch) mit allen daraus folgenden negativen Konsequenzen.

Bild: Image Creator

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Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 9

With a little help from my friends

Reise zurück in die 60er mit dem Titel-Song von Joe Cocker (Live at Woodstock)

„Freelance ist eine höhere Form der Selbstausbeutung.“ Dieser Satz hallte im Kopf von Tina lange nach. Sie hörte ihn in einem Panel für Freelancer-Themen der Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft. Tina ist Anfang 50, eine gefragte Projektleiterin, spezialisiert auf Teilnehmer-Management, mit reicher Erfahrung bei Automotive Events. Beruflich und finanziell geht es ihr weit besser als dem Durchschnitt der freien Projektleiter.

Tina denkt an ihren Ski-Unfall und den Kreuzbandriß, der ihr trotz entsprechender Verdienstausfallversicherung ein Loch in die Kasse gerissen hat. Darüber hinaus hatte sie erstmals einen Forderungsausfall. Sie setzt sich hin und stellt eine betriebs-wirtschaftliche Kalkulation an, bewertet Risiken, so wie sie es im BWL-Studium gelernt hat.

Richtig schlecht wird ihr bei der Frage, wie lange sie den Job noch machen kann – bis 60? Bis 65? Und reicht dann die Alterssicherung für den Rest des Lebens? Außerdem möchte sie irgendwo Spuren hinterlassen, also Veranstaltungen, die mit ihrem Namen verbunden werden.

Tina erkennt, daß sie einen Plan B braucht und bringt ihre Bewerbungsunterlagen auf Vorderfrau. Sie erstellt eine Liste von Agenturen, bei denen sie sich bewerben will, denn für die Kundenseite ist sie mittlerweile zu alt oder zu teuer oder beides.

Einer ihrer treuesten Kunden ist die Düsseldorfer Agentur simply perfect im Medienhafen. Deniz, einer der beiden Geschäfts-führer, hat keinen Zweifel an ihren fachlichen und menschlichen Qualitäten. Doch hegt er große Skepsis, ob sie nicht eine typische Einzelkämpferin ist, die sich mit den Regeln und Prozessen einer mittelgroßen Agentur schwertut. Markus, der andere GF will das Risiko eingehen. Bei diesem Patt holen die beiden den Head of Operations ins Boot. Betroffene zu Beteiligten machen! Armin ist begeistert von der Aussicht, Tina fest ins Team zu holen und ist sicher, „ich weiß wie sie tickt und wie man sie integrieren kann.“

Was macht Armin so sicher? Er hat einen Plan! Er investiert viel Zeit in ein engmaschiges Onboarding mit regelmäßigen Feedback-Gesprächen. Er vermittelt Tina die Werte und Arbeitsweise der Agentur. Er kümmert sich um ein effektives Socialising. Armin erklärt dem Team, welche Bereicherung Tina als Mensch und Expertin ist. Mit der Zeit verspürt Tina großen Rückhalt, sie fühlt sich willkommen. Es war eine kollegiale Freundschaft entstanden.

Nach 6 Monaten feiern alle die gemeinsame Entscheidung einer unbefristeten Festanstellung. Auch die beiden Geschäftsführer.

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Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 8

Hier kommt Alex

Reise zurück in die 80er mit dem Titel-Song von Die Toten Hosen

„Man kann Menschen nur vor die Stirn gucken“ ist eine Binsenweisheit. Alexander arbeitet seit einigen Jahren als Technischer Projektleiter einer Veranstaltungstechnik-Firma in Köln. Er gilt als zuverlässig, tüchtig, vielleicht etwas schräg. Seine homo-phoben Sprüche nimmt niemand ernst, auch nicht seine seltsame Tätowierung.

Die Firma kommt nach der Pandemie nicht so richtig auf die Beine und muß Personal abbauen. Es trifft auch Alex, weil er Single ist. Ully, sein Chef hat ein schlechtes Gewissen und ein gutes Herz. Deswegen schreibt er ihm ein hervorragendes Zeugnis und unterschlägt, daß es wegen seines ruppigen Umgangston mehrmals Beschwerden gab. Und daß er Alex im RheinEnergieSTADION schon einmal mitten in einer Hooligan-Gruppe gesehen hat. Ully verdrängt diese Tatsachen, weil er andere Probleme hat.

Alex findet schnell einen neuen Job bei Schwarzhaupt Presentation Service, nicht nur wegen des tollen Zeugnisses, sondern auch, weil er sich, wenn er will, sehr zivilisiert benehmen kann. Alex verhält sich während der Probezeit unauffällig. Wenig später gibt es auf einer Autobahn-Raststätte eine Schlägerei zwischen zwei  Hooligan-Gruppen. Ausgerechnet ein Kollege entdeckt ihn auf einem Foto, das auf Facebook gepostet wurde.

Patrick, der Kollege, behält sein Wissen zunächst für sich, bis es einen Vorfall bei einem Konzertaufbau gibt – Alex rutscht die Hand aus und verletzt den Rigger Rico, der ebenfalls bei Schwarzhaupt arbeitet. Das hat natürlich ein Nachspiel und Patrick beichtet seinem Chef. Alex wird fristlos gekündigt. Ergebnis: Nicht nur eine Störung des Betriebsfriedens, sondern auch hohe Fluktuationskosten und Mehrarbeit für einige Mitarbeiter.

Was lernen wir aus dieser Geschichte? Laut dem Urteil BAG 17.2.1988 –
5 AZR 638/86 besteht bei Arbeitszeugnissen der Grundsatz der Wahrheitspflicht. Zwar hat die Wahrheitspflicht Vorrang vor dem Grundsatz des Wohlwollens, dennoch darf nicht alles, was wahr ist, im Zeugnis stehen. Z.B. Verdächtigungen sind auch bei laufendem Verfahren nicht erlaubt.

Also – mehr Zeit in das Einstellungsverfahren investieren! Referenzen einholen, Probearbeitstag, die Mitarbeiter in die Beurteilung einbeziehen.

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Bild: Image Creator

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4. Juni 2024