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Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 4

Hotel California

Reise zurück in die 70er mit dem Titel-Song von den  Eagles ein Song ohne Verfallsdatum.

Jessica jubelte wie in der Stepstone-TV-Werbung „Yes, yes, yes!“ Sie hatte gerade die Zusage für ihren Traum-Job erhalten: Bankettleiterin in einem Münchner Nobel-Hotel, ein Leading Hotel of the World. Dafür mußte sie allerdings von Mainz umziehen.

Bild: DALL-E 3 / vt-stage

Im Bewerbungsgespräch war der extrem schwierige Wohnungsmarkt angesprochen worden. Von der Zusicherung der Personalerin „Wir unterstützen Sie natürlich“ war allerdings nicht viel übrig geblieben. Jessica wohnte erst einmal provisorisch bei ihrer Cousine in Unterföhring. Wochenlang suchte sie verzweifelt nach einer passenden kleinen Wohnung, die in ihr Budget paßte. Eines Tages schockte die Cousine sie mit „mein Freund zieht in vier Wochen ein“. Im Klartext – sie mußte raus.

Jessica war mit den Nerven am Ende und stand am nächsten Tag bei der Personalleiterin Andrea auf der Matte, um ihre scheußliche Situation deutlich zu machen. Und auf die Hilfszusage zu pochen. Mit Tränen in den Augen „Ich weiß nicht mehr weiter, helfen Sie mir bitte!“ Andrea antwortete trocken „Hotel California“. „Wie bitte?“ „Wir haben für Notfälle ein paar Zimmer in einer ehemaligen Pension gemietet, eins steht gerade leer. Wir hängen das nicht an die große Glocke. Wir nennen es intern Hotel California. Da können Sie bleiben, solange es nötig ist.“ Jessica war unglaublich erleichtert. Am nächsten Tag zog sie um und ein paar Monate später in eine WG zu einer befreundeten Kollegin.

Was lernen wir daraus? Eine „Wohnungsreserve“ für neue Mitarbeiter ist in Zeiten von Fachkräfte- und Wohnungsmangel doppelt clever.

Keep on rockin‘

 

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 3

The Road to Hell

Reise zurück in die 80er mit dem Titel-Song von Chris Rea

Bild: DALL-E 3 / Wolf Rübner

(Nach einer wahren Begebenheit) Mike spielt Klavier, reitet wie ein junger Gott und ist als Technischer Leiter ein Koryphäe. Und Freelancer aus Überzeugung. Er hat Sinn für Dramaturgie und ist – obwohl Franke – ein schwäbischer Tüftler. Kein Wunder, daß eine seinerzeit renommierte Agentur aus Solingen fragte, ob er nicht an Bord kommen wolle.

Nun, er wollte, was sich bald als grober Fehler herausstellen sollte. Ein „Freibeuter“ in einer 200-Mann-Agentur? Kann das gut gehen?
Zum Einstand gab es nicht nur ein geräumiges Büro, eine Architektin als Mitarbeiterin, sondern auch jede Menge Vorschußlorbeeren. Erklärungen „von oben“ gab es eigentlich nicht.

Mike schob Frust und schüttete dem Autor und Büronachbarn immer mal wieder sein Herz aus. Aber niemand nahm ihn richtig ernst,
jeder war zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Das Ergebnis nach 10 Monaten? „Einige schöne Projekte, doch die Leute verstehen überhaupt nicht, was ich kann und warum ich hier bin. Ich zeichne hauptsächlich Bestuhlungspläne, es ist die Hölle, Mann. Darauf habe ich keinen Bock mehr!“ so Mike bei seiner Kündigung.

Was lernen wir daraus? Eine neue Abteilung muß erklärt und „beworben“ werden. Ein neuer Bereich benötigt eine Weile, um sich zu integrieren. Das gilt für beide Seiten. Die richtige Entscheidung, die technische Planungs- und Ausschreibungskompetenz der Agentur zu erhöhen, hätte von der Bereichsleitung begleitet werden müssen.

Keep on rockin‘

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 2

Under Pressure

Reise zurück in die 90er mit dem Titel-Song von David Bowie

Der Geschäftsführer des Berliner Caterers Gourmet Factory ist verzweifelt: Seit Wochen sucht Michael händeringend einen weiteren Koch. Der Druck im Kessel steigt täglich, weil die Qualität der Küche spürbar nachläßt. Es gibt erste Kundenbeschwerden.

Bild: DALL-E 3 / Wolf Rübner

Aus heiterem Himmel flattert eine Bewerbung ins Haus. Thomas Kuri wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen, an dem auch Manja, die Leiterin People & Culture teilnimmt. Man vereinbart ein zweites Gespräch. Michael hat sich insgeheim schon für den Kandidaten entschieden, obwohl – irgendetwas stört ihn. Aber der Druck, die Stelle zu besetzen, ist beinahe unerträglich.

Michael und Manja beraten sich nach Ende des zweiten Gesprächs. Er: “Der Kuri hat 5 Jahre in der Schwarzwaldstube in Baiersbronn gearbeitet, sein Zeugnis ist gut, das ist eine tolle Visitenkarte.“ Sie: “Aber das ist lange her, danach wechselte er häufig, schied auf eigenen Wunsch aus.“ Er: „Wir müssen jetzt entscheiden, der Zustand ist untragbar!“ Sie: „Ich bin mir nicht sicher, aber ich habe bei ihm eine Fahne gerochen…“ Er: „Ich habe nichts bemerkt, schicken Sie ihm bitte einen Arbeitsvertrag.“

Noch in der Probezeit muß Thomas das Unternehmen wegen seines Alkoholproblems verlassen.

Was lernen wir daraus? Man sollte die feinen Antennen der Frauen nicht ignorieren. Und auch bei großem Druck eine Entscheidung absichern (z.B. Referenzen einholen), über Alternativen oder Interims-Lösungen nachdenken – eine Entscheidung nicht majorisieren.

Keep on rockin‘

 

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 1

Foto: privat

Im Leben wie im Beruf hat man stets drei Möglichkeiten: Love it, change it or leave it. Man arrangiert sich mit den Mißständen, man versucht sie zu ändern oder man geht einen anderen Weg. Hauptsache raus aus der Opferrolle.

Die fiktiven Geschichten aus der Veranstaltungswirtschaft handeln vom Scheitern und Gelingen eines Job-Wechsels – mal aus der Sicht des Bewerbers, mal durch die Brille des Betriebes, auch die Situation von Freelancern wird beleuchtet. Unerschöpfliche Quelle sind meine Erfahrungen als „Perlenfischer“, zudem Autobiografisches aus vier Jahrzehnten work@event.
Personen und Unternehmen sind frei erfunden, nur die Probleme nicht:
Zu wenig Geld, fehlende Aufstiegschancen, keine Wertschätzung, Über- oder Unterforderung, Suchterkrankungen, Burnout, Mobbing, Diskriminierung, Bewerbungsangst und der weltweit häufigste Kündigungsgrund: Ein miserabler Chef.

Jede Ähnlichkeit mit existierenden Personen wäre rein zufällig. Total real dagegen sind die Titelsongs aus Rock und Pop.

Should I stay or should I go

Bild:DALL-E 3 / vt-stage

Den Anfang machen die Pioniere des Punk The Clash.

Beginnen wir mit dem Paradebeispiel von Bleiben oder Gehen. Man kann verschiedene Arten unterscheiden: der negativ motivierte Job-Wechsel (Unzufriedenheit), der positiv motivierte (Geld, Status, Entwicklung) und der Zufall, etwa, wenn der „Perlenfischer“ anklopft.

Laura arbeitet im Frankfurter Büro einer Agentur-Gruppe, die früher
als außerordentlich kreativ galt, heute aber nur noch groß ist. In Deutschland wurde eine Niederlassung nach der anderen aus dem Boden gestampft. Dazu die Internationalisierung – China, USA, Brasilien – sie erforderte die ganze Aufmerksamkeit des Managements.                                                                                                                               Die Schattenseiten der Expansion bekam Laura bald zu spüren: sterile Büroräume – ganz im Gegensatz zur Gründerzeit-Villa am Stammsitz. Spärliche Informationen über das große Ganze, über die anderen Teams, zum Ziel der Reise, überhaupt, das Grundrauschen bestand aus allerlei Gerüchten.

Der Niederlassungsleiter hatte nicht viel zu melden, Entscheidungen wurden in „Moskau“ getroffen. Aber man gehörte dafür zum Marktführer, die Bezahlung war überdurchschnittlich, es fühlte sich aber wie ein goldener Käfig an. Das wirklich Positive waren die Kollegen. Es wäre ihr wie ein Verrat vorgekommen, sie im Stich zu lassen.

Bei einer After-Work-Party in der Copper Bar hatte Laura eine schicksalhafte Begegnung mit einem Kollegen aus einer Wiesbadener Event-Agentur, die nicht nur für perfekte Events bekannt war. Begeistert lauschte sie seinen Schilderungen von der Atmosphäre, dem Zusammenhalt, den gemeinsamen Aktivitäten, den Freiheiten. Sie kam ins Grübeln – should I stay or should I go?

Doch was sind die Chancen und was die Risiken einer beruflichen Veränderung. Eine knifflige Frage. Laura probierte es mit der Benjamin-Franklin-Methode. Außerdem erkundigte sie sich über die in der Region ansässigen Agenturen. Sie analysierte die Stellenangebote und schaute sich die Bewertungen auf kununu an. Dann listete sie die Vor- und Nachteile ihrer aktuellen Stelle auf.

Laura war jetzt sehr viel klüger, fühlte sich aber noch nicht in der Lage, zu entscheiden – kündigen oder bleiben. Was fehlte, war eine Rangfolge der Entscheidungskriterien. Sie beriet sich mit ihrer Freundin. Beide kamen zum gleichen Ergebnis – raus aus der Komfortzone! No risk no fun!

Achtung Baby: Im Hintergrund lauert stets eine Gefahr – ist das Glas halb voll oder halb leer? Die Entscheidung kann deshalb in die eine oder die andere Richtung kippen. Welcher Typ bist Du? Pessimist oder Optimist?

Keep on rockin‘

 

Always Look On The Bright Side Of WORK

DORTMUND 1983 – am 1. Februar stolpert ein unbeschriebenes Blatt namens Wolf Rübner zufällig in die Event-Branche und – blieb bis heute. Eine kleine Ewigkeit scheint das her zu sein – Helmut Kohl ärgert sich mit den GRÜNEN herum, die erstmalig in den Bundestag eingezogen sind; „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ ist der gefeierte Kino-Hit; meine damals völlig unbekannte Heimatband „Die Toten Hosen“ tritt illegal in einer Ostberliner Kirche vor 50 Ost-Punks auf; der HSV wird Deutscher Fußballmeister! Vierzig Jahre in unterschiedlichen Rollen und Funktionen: als Quereinsteiger war meine Devise stets learning by doing. Die Reise begann auf Kundenseite mit einer Veranstaltung in der Dortmunder Westfalenhalle.

Nächste Station Geschäftsführer einer LaserShow Company in Köln, 1988 Wechsel zu einer bald sehr prominenten Agentur als Projektleiter, zwei Jahre später Creative Director und Beförderung zum Mitglied der Geschäftsleitung. Seit 2002 selbständig unter der Marke EventCampus als „Perlenfischer“, Kommunikations-Trainer, Lehrbeauftragter und Autor von Fachbüchern/-artikeln. Vier Jahrzehnte wie auf der Achterbahn: in den 80ern erfindet sich die Branche und das/den Event. Eine Zeit der Experimente, das Musical Starlight Express setzt Maßstäbe, Markteinführung von Vary Lite, den ersten motorisch bewegten Scheinwerfern (Premiere auf einer Genesis-Tournee). In den 90ern folgt eine Sturm- und Drangzeit, Goldgräberstimmung bei den Agenturen, Eröffnung des Berliner Estrel, Deutschlands bis heute größtes Hotel. Die WORLD EXPO in Hannover läutet die 2000er ein. Globale Krisen zerren an den Nerven und den Finanzen:  der Anschlag auf das World Trade Center, eine tiefe Zäsur, wie sich zeigen sollte. Einige Jahre später manövrierten die Zocker im globalen Finanzkasino die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds. Wir hielten den Atem an. In den 2010ern wieder Boom und wieder Euphorie, dann im März 2020 Schockstarre und der Beginn einer noch immer schwelenden Existenzkrise, auch weil die überfällige Marktbereinigung bisher ausgeblieben ist. Hybrid rettet unseren Hals, das Virus geht langsam, der Personalmangel kommt rasend schnell, auch wegen der Demographie. Die Alten gehen, die Jungen haben Flausen im Kopf. Die neue Dekade wird von einem Krieg überschattet, Ungewißheit ist unser treuer Begleiter, doch die Branche ist solidarischer und besser organisiert als früher.

Meine persönliche Bilanz: irgendetwas zwischen Highway to Hell und Stairway to Heaven. Die wichtigste Erfahrung: das hohe Burnout-Risiko, also achtet auf die Warnzeichen! Ich mache weiter, mein Dank gilt Euch da draußen für unzählige sympathische Begegnungen, für Eure Inspiration und Wertschätzung. KEEP ON ROCKIN‘ und https://www.youtube.com/watch?v=SJUhlRoBL8M&ab_channel=Melonhead622 Fotos: Tbachner; alarmstuferot.org

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16. März 2024