Das Gift der inneren Kündigung
Kennt Ihr die Robinson-Strategie bei einem Job, den man aushalten muss? Warten auf Freitag.
Was macht Dich im Beruf richtig sauer? Fehlende Sinnhaftigkeit? Dauernde Unter- oder Überforderung? Schlechte Führung? Ungerechtigkeit? Keine Perspektive? Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Umgekehrt gefragt, was macht Dich zufrieden?
Der amerikanische Arbeitswissenschaftler Frederik Herzberg geht von zwei Faktoren aus: Hygienefaktoren (Verdienst, soziale Beziehungen, Arbeitsplatzsicherheit, physische Arbeitsbedingungen, Betriebspolitik, soziale Leistungen u.Ä.) und Motivationsfaktoren (Anerkennung, Verantwortung, Leistungserfolg, Vorwärtskommen u.Ä.).
Nachdem wir das geklärt haben, lernen wir Christiane kennen, die heute Morgen wieder einmal mit Rückenschmerzen aufgestanden ist. Sie war ein paar Mal beim Orthopäden, der aber nichts feststellen konnte. Sie arbeitet als Leiterin der Personalabteilung des Zeltverleihs Mack GmbH in Wiesbaden. Geleitet wird das Unternehmen von Bernd Mack, (Spitzname „Obermacker“) und seinem Sohn Manuel. Bernd hat versprochen, die alleinige Geschäftsführung zeitnah an ihn zu übergeben.
Darauf baut auch Christiane, die von Manuel schon lange die Zusage hat, ein modernes Personalwesen einzuführen. Außerdem fühlt sie sich mit reiner Personalverwaltung schon lange unterfordert. Sie will endlich ihre Ideen umsetzen. Beim Patriarchen Bernd stößt sie auf Granit, was sie zunehmend zermürbt.
Auf dem Flur: „Wann gibt Dein Vater die Geschäftsführung ab?“ „Er legt sich nicht fest, er ist sogar sauer geworden, als ich ihn zuletzt darauf angesprochen habe.“ Christiane bricht der Schweiß aus. Sie ist in diesem Unternehmen groß geworden, sie identifiziert sich total, es ist zum Verzweifeln. Zurück in ihrem Büro meldet sich wieder ihr Rücken. Entnervt packt sie ihre Sachen und geht nach Hause, obwohl es erst früher Nachmittag ist.
Am nächsten Morgen fällt ihr das Aufstehen schwerer als sonst. Sie schleppt sich in die Firma. Im Abteilungsleiter-Meeting sitzt sie geistesabwesend am Tisch, was man von ihr nicht kennt. Später im Büro starrt sie minutenlang in den Computer-Bildschirm. Es ist, als hätte man ihr den Stecker gezogen. Ein Gefühl von Undankbarkeit und Ungerechtigkeit quält sie. Sie hat sich jahrelang voll engagiert, nie auf die Uhr geschaut, das hat sie alles nicht verdient.
Can′t see nothin‘ in front of me, can′t see nothin‘ coming up behind. Make my way through this darkness, I can’t feel nothing but this chain that binds me. Lost track of how far I′ve gone, how far I′ve gone, how high I’ve climbed. On my back′s a sixty pound stone, on my shoulder, half mile of line. (Bruce Springsteen „The Rising“)
Am nächsten Sonntag frühstückt sie mit ihrer Freundin im Café Maldaner und schüttet ihr Herz aus. „Das klingt nach innerer Kündigung, Christiane. Daher kommen auch Deine psychosomatischen Beschwerden. Wie lange willst Du Dich noch verbiegen?“
Einige Zeit später beginnt Christiane mit der Suche nach einem neuen Job. Ihre Rückenschmerzen sind wie weggeblasen.