Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 43

13. Juni 2026

Der Letzte macht das Licht aus

Eine flapsige Überschrift, denn hinter einer Insolvenz steckt eine enorme Dramatik. Die Stelle zu verlieren ist sehr belastend, raubt Identität und Tagesstruktur. Ein Tornado an Gefühlen fegt dann durch die Büros: Wut, Trauer, Tränen, Enttäuschung, Verbitterung. So auch am 31. Oktober 2011 in den Räumen der Solinger Agentur kogag. Betriebsversammlung in der Kantine, rund 50 Mitarbeiter hören mit versteinerten Mienen zu, was Vater und Sohn Domning verkünden müssen: „Es ist für uns eine extrem schmerzhafte Situation, trotz intensivster Bemühungen und Anstrengungen, nach 41 Jahren diesen Weg gehen zu müssen. Besonders leid tut es mir um Sie alle, die loyalen Mitarbeiter und unsere Zulieferer. Wir werden alles dafür tun, um für Sie und alle anderen Beteiligten eine gute Lösung zu finden.“

Dies ist die wahre Geschichte von Ute, die gleich zweimal eine Insolvenz ihres Arbeit-gebers erlebt hat. Vertrieb war und ist für Ute eine Herzensangelegenheit. Sie begegnet Kunden mit der Überzeugung „Das Feuer, das Du in anderen entzünden willst, muss in Dir selbst brennen.“

Nur kann der Vertrieb „die Welt nicht retten“, wenn der Markt das Vertrauen verliert. Das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Ute rang trotzdem immer wieder mit sich selbst. Sollte sie das sinkende Schiff verlassen oder kämpfen, denn das Scheitern der kogag zeichnete sich lange ab. Dann kam ihr ein Jahr, bevor die Insolvenz tatsächlich eintrat, der Zufall zu Hilfe.
Eine befreundete Hamburger Agentur bat sie um Hilfe. Ein Feuerwehreinsatz, das war Ute sofort klar. Trotz Bauchgrummeln unterschrieb sie einen Arbeitsvertrag.
Es kam wie es kommen musste, Auch hier war die Insolvenz nicht mehr zu abzuwenden. Wenn eine Agentur ins Rutschen kommt, ist der Absturz oft nicht mehr zu verhindern. Ute tröstete sich mit der Textzeile von Bruce Springsteen: And we’ll walk in the sun, but till then tramps like us, baby were born to run.

Ute war zum Heulen zu Mute: war das nur Pech? Hatte sie versagt? Hatte sie sich überschätzt? War das die falsche Branche? Sie brauchte eine Weile, bis sie wieder Tritt fasste. Dann hatte sie eine kühne Idee: Vertrieb als Freelancer und on Demand! So wie die Agenturen es sich leisten können. Keine Jagd nach Terminen, sondern Vertrieb mit Verstand und Augenmaß. Mit dem Ziel und genügend Zeit, eine echte und stabile Beziehung zu einem potentiellen Auftraggeber aufzubauen.

Damals schwer vorstellbar, doch Ute fand sofort drei Kunden, die diesen Gedanken nicht abwegig fanden, sondern vorteilhaft. Noch immer funktioniert ihr Geschäftsmodell hervorragend. Und wie häufig im Leben – aus Krisen geht man gestärkt hervor. Ihr Fazit: „Die Insolvenzen haben mich zu einem besseren Vertriebler gemacht.“